Offener Brief

Ausstrahlung der Dokumentation:
„Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir, Akteure aus Zivilgesellschaft und Politik schließen uns hiermit der Forderung u.a. des Zentralrates der Juden in Deutschland an und fordern Sie auf, die Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu einer dem Format und der Bedeutung angemessenen Sendezeit auszustrahlen.

Seit mehreren Wochen wird über die benannte Dokumentation diskutiert; die von Ihnen benannten Gründe für die Nichtausstrahlung sind uns bekannt. Angesichts eines seit Jahren steigenden Israel-bezogenen Antisemitismus, welcher sich quer durch alle gesellschaftlichen Milieus und politischen Parteien zieht, halten wir es für enorm wichtig, diesen öffentlich zu thematisieren. Die Dokumentation bietet sich dafür an.

Diverse Personen des öffentlichen Lebens, darunter international anerkannte Historiker, Politikwissenschaftler und Antisemitismusexperten wie Götz Aly, Ahmed Mansour und Prof. Michael Wolffsohn loben die Dokumentation. Prof. Michael Wolffsohn bezeichnet die Dokumentation als „meisterhaft“, Ahmad Mansour als „großartig und überfällig“ und Götz Aly als „beachtliche und außerordentlich facettenreiche journalistische Leistung.“
Auch vor diesem Hintergrund finden wir die Gründe für Ihre Ablehnung der Ausstrahlung problematisch.

Erst im April diesen Jahres hat der Unabhängige Expertenkreis Antisemitismus im Deutschen Bundestag (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/119/1811970.pdf) in einem Lagebericht die wachsende Virulenz und Vielschichtigkeit des Antisemitismus dargelegt und umfassende Handlungsempfehlungen formuliert – auch in Richtung der Medien. Wir fordern Sie auf, diese Befunde zur Kenntnis zu nehmen.

Uns besorgt der zunehmende Antisemitismus in all seinen Facetten, uns beunruhigt das oftmals wahrnehmbare Schweigen über antisemitische Äußerungen, Vorfälle und Haltungen. Unser aller Anliegen ist es, Antisemitismus in jeglicher Form zurückzudrängen und dabei nicht vor eigenen Türen Halt zu machen.

Wir halten die Dokumentation für einen geeigneten Baustein, um den zunehmenden Antisemitismus, seine Normalisierung und Bagatellisierung zu thematisieren und geeignete Formen des Entgegenwirkens zu finden.
Zwischenzeitlich wurde die Dokumentation in sozialen Netzwerken veröffentlicht und wird breit debattiert. Dies ist unserer Auffassung nach Auftrag und Aufgabe öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

„Journalismus ist nicht da, um schöne Utopien zu schaffen, sondern reale Zustände zu beschreiben, auch wenn sie wehtun.“.
Wir schließen uns dieser Äußerung von Ahmed Mansour an und fordern Sie hiermit auf, die Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ auszustrahlen.

Dieser Brief wurden neben der Veröffentlichung an folgende Personen versendet:


ARTE

Präsident Peter Boudgoust
4 quai du Chanoine Winterer
F-67000 Strasbourg

WDR
Intendant Tom Buhrow
Appellhofplatz 1
50667 Köln

ZDF
Intendant Thomas Bellut
55100 Mainz

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